Chamaeleon Zucht

…es ist faszinierend und für uns immer wieder eine kleine Bestätigung, wenn kleine Chamäleonbabys schlüpfen. Dies ist sicherlich der Höhepunkt eines jeden Chamäleonhalters und hilft, den Bestand im natürlichen Habitat zu sichern.

Ganz wichtig dabei ist die Auswahl der zu verpaarenden Tiere.

Furcifer pardalis Schlupf

Furcifer pardalis Schlupf

Man sollte wissen, daß es in der Natur eine natürliche Auslese gibt, wobei kranke bzw. weniger starke Tiere oft vergeblich um die Gunst eines Paarungspartners werben. Genau dieses Ausleseverfahren gibt es im heimischen Terrarium nicht, so daß diese Verantwortung beim Züchter liegt, ein gesundes und kräftiges Pärchen auszuwählen und zur Paarung und damit zur Nachzucht zu bringen. Jeder Züchter legt daher selbst den Grundstein für seinen Erfolg bzw. den Fortbestand seiner Zuchtlinie.

Bei Paarungspartnern, die in getrennten Terrarien gepflegt werden, setzen wir immer das Weibchen zum Männchen. An der Zeichnung der Chamäleons kann man recht schnell erkennen, ob beide Tiere an einem Paarungsakt interessiert sind. Männchen signalisieren in den meisten Fällen ihre Paarungsbereitschaft durch eine überaus protzige Farbenpracht, wobei die Weibchen neben der Zeichnung viel mehr mit Gesten artikulieren. Oft spielen die Weibchen dabei das Spiel “Fang mich doch”, indem sie provozierend auf einem Ast sitzen und einige Male kurz vor dem annahenden, nickenden Männchen langsam davonlaufen, bevor sie den eigentlichen Paarungsakt zulassen.

pardaliseier

Gelege von F. pardalis

Die Trächtigkeitsdauer und auch die Gelegegröße ist von Art zu Art unterschiedlich. Während der Trächtigkeit ist ein erhöhter Calciumbedarf des Weibchens auszugleichen. Wir unterscheiden dabei ovipare (eierlegende) und ovovivipare (lebendgebärende) Arten. Wir haben die Erfahrung gesammelt, daß es sinnvoller ist, die Dauer der Trächtigkeit anhand der Graviditätszeichung der Weibchen zu bemessen, als einen Zeitraum zwischen Paarung und Eiablage zu beziffern. Wenn das ovipare Weibchen meint, daß es Zeit ist, wird sie dies in den meisten Fällen durch Probegrabungen ankündigen. Jetzt gilt sinngemäß “Vorsicht Baustelle – betreten verboten!”. Die täglichen Arbeiten im Terrarium sollten nun auf das Wesentlichste beschränkt werden. In manchen Fällen hat sich ein Sichtschutz, im unteren Drittel der Terrarienfront, zur Streßreduzierung als hilfreich erwiesen. Wenn das Weibchen einen geeigneten Platz gefunden hat, wird sie in der Regel einen Gang graben und diesen zu 90% für die Eiablage vorbereiten. Die Einstellung der Nahrungsaufnahme sowie unruhiges Hin- und Herlaufen signalisieren, daß der Ablagetermin nun kurz bevorsteht. Wir haben die Erfahrung gesammelt, daß die Ablage der Eier in der Aktivitätsphase des Chamäleons erfolgt und an keine Tageszeit gebunden zu sein scheint, da einige Chamäleons einer Art ihre Gelege morgens und andere abends plazierten.

Nach der Eiablage erfolgt das Freilegen des Geleges, wobei vorsichtig von oben her Schicht für Schicht des Bodengrundes abgetragen wird. Die Eier werden, in ihrer Lage unverändert, in die vorbereiteten Brutbehälter überführt. Wie verwenden leicht feuchtes Vermiculite, welches bereits vorher auf die zu erzielende Bruttemperatur erwärmt wurde. Nach ein paar Gelegen entwickelt man ein richtiges System, wobei wir versuchen, die einzelnen Gelegeebenen, zur späteren Auswertung, in getrennten Brutbehältern zu separieren.

Inkubator

Inkubator

Die Inkubationsdauer sowie richtige Inkubationstemperatur richtet sich grundsätzlich nach den Klimabedingungen im Herkunftsgebiet des Chamäleons. Bei genauem Studium der jeweiligen Klimadaten wird man recht schnell erkennen, daß die oftmals schwankenden Temperaturangaben in der Fachliteratur mehrere Verbreitungsgebiete erfassen. Zum Beispiel: – Wir haben in Madagaskar verschiedene Klimazonen, die erkennen lassen, daß Furcifer Pardalis Nosy bè von der Temperatur anders gezeitigt wird, als Furcifer pardalis Tamatave oder Furcifer pardalis Maoansetra. Jeder Züchter muß daher selbst recherchieren, um seine Zuchtlinie auch auf Dauer zu erhalten.

Schlupf

Schlupf

Die Aufzucht der Jungtiere erfolgt in sehr sporadisch eingerichteten Aufzuchtsterrarien. In den ersten Wochen können die meisten Chamäleonschlüpflinge in kleinen Gruppen, später (bei auftretender Dominanz und Unterdrückung) sollten die Tiere in Einzelterrarien gepflegt werden. Als Bodengrund hat sich bei uns aus hygienischen Gründen Zeitungspapier durchgesetzt. Viele dünne Kletteräste mit Blattwerk sorgen für ausgiebige streßfreie Spaziergänge der Kleinen. Die Luftfeuchtigkeit wird mit Hilfe eines handelsüblichen Blumensprühers geregelt. Ich persönlich rate von einer Pipettentränkung ab, da bei ungeübtem Vorgehen die Gefahr einer Lungenschädigung besteht. Gesunde Jungtiere regulieren ihren Feuchtigkeitshaushalt selbständig durch die Aufnahme der Wassertropfen von Blättern, Zweigen und Glasflächen. Eine ausreichende UV-Beleuchtung ist gerade beim Wachstum der Kleinen, für eine optimale Vitamin-D3-Synthese, unerläßlich. Als geeignetes Futtertier haben sich während der ersten Tage und Wochen Drosophila in reichlicher Menge sowie Microheimchen bewährt.

Eine ausgewogene Vitaminergänzung kann über das Trinkwasser angeboten werden. Dabei lösen wir das Vitaminpräparat im Wasser auf und tropfen es beim morgentlichen Sprühen vor die Nase des bereits trinkenden Chamäleons.

Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß man bei der Aufzucht der Kleinen einen Grundstein für dessen spätere Verhaltensweisen legt. Diese sollten dann bei Abgabe des Tieres auch mit dem neuen Besitzer abgesprochen werden.